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Grußworte des Rektors im Jubiläumsjahr

 
 
Begrüßung zur Dank-Veranstaltung für Sponsoren und Spender
Jena, 09. März 2009

 

Liebe Spender und Sponsoren des Jubiläumsjahres der Friedrich-Schiller-Universität,

liebe Mitglieder und Angehörige, liebe Freunde der Universität,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

das Jubiläumsjahr der Universität ist zwar mit der Party in der Goethe-Galerie am 31. Januar zuende gegangen, und längst hat uns das Schiller-Jahr erreicht, aber das Jubiläumsjahr war so reich und ich glaube auch sagen zu können: so erfolgreich, dass der eine oder andere Rückblick durchaus angemessen ist. Und was böte eine bessere Gelegenheit zu einem solchen Rückblick als eine Veranstaltung, die dem Dank an die Spender und Sponsoren gewidmet ist, deren Großzügigkeit uns die erfolgreichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr überhaupt ermöglicht haben. Deshalb freue ich mich sehr, Sie alle heute Nachmittag zur Enthüllung dieser Spendertafel im Eingangsbereich des Hauptgebäudes begrüßen zu dürfen.

22 Sponsoren haben über das Jubiläumsjahr hinweg insgesamt 400.450 € in Sach- und Geldmitteln aufgebracht. Dazu kommen weitere 61 Spenden von 450 €, das sind 27.450 € sowie 122 Spenden ab 4,50 € im Gesamtwert von 34.670 €, das ist zusammengenommen fast eine halbe Million.

In dieser Summe ist die großzügige Finanzierung der Arbeiten der Senatskommission zur Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert über zehn Jahre hinweg in Höhe von ca. 20.000 € noch nicht einmal enthalten.

Mit diesen Mitteln haben Sie, die Mitglieder, Angehörigen, Freunde und Förderer der Universität uns ermöglicht,

1. auf einen [signifikanten] Jubiläumszuschuss des Freistaats Thüringen zu verzichten; ich erinnere daran, dass der Universität Leipzig vom Freistaat Sachsen für ihr diesjähriges 600. Jubiläum 6 Mio. € zugebilligt wurden;

2. durch nachhaltige Renovierungen und Sanierungen das Gesicht der Universität freundlicher und moderner zu gestalten; ich denke dabei etwa an die Renovierung des Collegienhofes, die Mitfinanzierung der Renovierung des Phyletischen Museums oder den Neuanstrich und die neue Beleuchtungsanlage im Hauptgebäude;

3. übers Jahr in mindestens einem Dutzend national und international ausstrahlender Veranstaltungen die Aufmerksamkeit für den Wissenschafts- und Studienstandort Jena deutlich zu erhöhen;

4. mit mehreren Ausstellungen die Geschichte, Geschichten und die Entwicklung der Universität einem breiten Publikum nahe zu bringen;

5. in den Fakultätswochen, die auf außerordentlich hohe Resonanz bei den Bürgerinnen und Bürgern Jenas stießen, die Vielfalt der universitären Forschung in Jena zum Anfassen nahe zu demonstrieren;

6. eine Veröffentlichungsreihe über Selbstverständnis, Schätze, Symbole und die Tätigkeit der Universität auf die Beine zu stellen;

7. in einer großen Zahl kultureller Veranstaltungen die Bürgernähe der Universität zu demonstrieren und zu pflegen, und

8. mit dem neuen Format des Universitätssommerfestes eine Schallmauer in der Event-Kultur Jenas zu durchbrechen.

Dabei sind die Leistungen der Universitätsgeschichte noch ausgeblendet; sie werden gesondert zu würdigen sein.

Das ist ganz ohne Zweifel eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, und sie rechtfertigt es allemal, dass wir allen, die dies ermöglicht haben, mit dieser gleich zu enthüllenden Tafel einen bleibend sichtbaren Dank abstatten.

Dieser Dank muss umso größer sein, als das private oder sagen wir besser: das bürgerliche Engagement für eine Institution wie die Universität in Deutschland keineswegs selbstverständlich ist. Anders als in der angelsächsischen Kultur und in vielen europäischen Ländern wird in Deutschland das Spenden und das Sponsoring für öffentliche Institutionen noch kaum als selbstverständliche Bürgeraufgabe begriffen, sondern steht bei Vielen immer noch in dem Ruch der benevolenten, wenn nicht gar der interessierten Ersatzvornahme für an sich staatliche Gewährleistungspflichten.

Und deshalb ist es auch alles andere als überraschend, dass es - entzündet an der causa "Commerzbank-Hörsaal" - zu kritischen Diskussionen kam, in deren Kern die Aussage stand: Hochschulfinanzierung ist staatliche Aufgabe, private Mittel schaffen Abhängigkeit. Dazu sind mindestens folgende Gesichtspunkte zu bemerken:

1. Wenn Universitäten ausschließlich auf staatliche Zuweisungen zurückgreifen könnten, wäre ein universitäres Leben, das diesen Namen verdient, mausetot. Preise, Sportveranstaltungen, kulturelle Veranstaltungen, studentische Initiativen etwa der Ausländerbetreuung, Veranstaltungen wie "4dip" u.a. wären nicht darstellbar. Was ihre Einsatzmöglichkeiten anlangt, sind Steuergelder nun einmal engen haushaltsrechtlichen Beschränkungen unterworfen.

2. Aus den aus privaten Spendenmitteln gespeisten Töpfen der Freunde und Förderer der Universität werden pro Jahr ca. 3.500 € als Zuschüsse für studentische Exkursionen und Projekte ausgegeben.

3. Von einer einwöchigen China-Reise habe ich einen ganzen Koffer voll Gastgeschenke mitgebracht; sämtliche Aufenthaltskosten haben die chinesischen Gastuniversitäten in großzügigster Weise getragen. Chinesische Gastwissenschaftler werden in Deutschland in öffentlich finanzierten Unterkünften untergebracht und bekommen eine Hausordnung ausgehändigt, in der es etwa heißt: Das Auswechseln von Glühbirnen erfolgt auf Kosten der Mieter. Der mit zunehmender Internationalisierung umso wichtiger werdende Bereich der Gästebetreuung erfordert nicht nur einen "neuen Geist", sondern vor allem auch flexibel einsetzbare Finanzmittel, die derzeit ganz überwiegend nur aus privaten Spendenmitteln aufgebracht werden können.

4. Inviereinhalb Jahren meines Rektorats ist mir kein einziger Fall bekannt geworden, in dem eine private Geldzusage mit einer irgendwie gearteten Einflussnahme auf Inhalte universitären Lebens verbunden gewesen wäre. Natürlich gibt es Zweckbindungen, aber immer in gegenseitiger Abstimmung und zum gegenseitigen Vorteil. Nur in einem einzigen Fall ist eine Sponsorenvereinbarung nicht zustande gekommen, weil die Universität mit patentrechtlichen Implikationen nicht einverstanden sein konnte.

5. Die Universitäten sind - und bleiben - überwiegend staatlich finanziert, und kein einziger privaterEuro darf ein Vorwand dafür sein, den Staat aus seiner Finanzierungsverantwortung für Lehre und Forschung zu entlassen. Die politische Abhängigkeit, die sich jedoch daraus ergibt, ist zuweilen gigantisch und in Verbindung mit ihrer gesetzlichen Regulierung nicht selten erdrückend.

Gleichwohl ist die Debatte deshalb begrüßenswert, weil sie Probleme und Anforderungen der Universitätsfinanzierung sichtbar macht und uns vor allem zu sensibilisieren hilft für die Notwendigkeit der Transparenz, der wir mit den Jahresberichten der Universität, aber auch der Rechenschaftslegung und Anerkennung, der wir für die größeren Jubiläumsspenden mit der zeitlich befristeten Hörsaalbenennung, für die 450 €-Spenden nachher im Senatssaal mit Dankesurkunden und insgesamt heute mit der Enthüllung dieser Dankestafel und dieser Veranstaltung nachkommen wollen,

Aus all diesen Gründen möchte ich mich bei allen Sponsoren und Spendern auch deshalb noch einmal sehr herzlich bedanken, weil Sie mit Ihrem Beitrag - ob nun 4,50 € oder sechsstellig geholfen haben, der Vorstellung Grund zu verschaffen, dass diese Universität weder ein staatlicher noch ein privater Zweckbetrieb sondern unser aller Angelegenheit ist und des Engagements, auch des finanziellen, jedes Einzelnen bedarf.

Ein besonderer Dank geht dabei heute vor allem an Herrn Raithel, der nicht nur die größte private Einzelspende beigesteuert hat, wofür wir ihm mit dem Anbringen seines Namensschildes an Hörsaal 24 danken wollen, sondern dessen Initiative und zusätzlicher Unterstützung wir auch die Porzellantafeln und letztlich auch diese Dankestafel verdanken. Zusammen mit Herrn Dr. Guttmacher hat er sich überdies als Botschafter beim Einwerben von Spenden große Verdienste erworben. Beiden dafür sehr herzlichen Dank. Herrn Hätscher schließlich ist für die - wenn ich so sagen darf - denkmalgerechte Umsetzung der Tafel zu danken.

Deshalb darf ich nun Herrn Raithel und Herrn Guttmacher bitten, mir bei der Enthüllung der Tafel behilflich zu sein.

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Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung
"Schätze der Universität. Geschichte und Geschichten"
Jena, 7. Mai 2008

 

Lieber Herr Kollege Walther,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Gäste,

Schatzgräbergeschichten üben eine ganz eigene Faszination auf das an televisionäre Spannungszustände eingestellte Publikum aus. Schon deshalb war es eine hervorragende Idee, zum 450. Universitätsjubiläum nicht auf die übliche historische Ausstellung akademischer Devotionalien zu verfallen, sondern in einer eigenen Ausstellung das Abenteuer Wissenschaft über 450 Jahre hinweg anhand der Schätze der Sammlungen der Universität zu dokumentieren.

Herr Walther wird sicher einiges zur Genese und zu den Metamorphosen des Konzepts der Ausstellung sagen können, die Idee aber war von Anfang an: Wissenschaftsgeschichte anhand einiger ausgewählter Stücke aus den zahlreichen Sammlungen der Universität erlebbar zu machen. Zu diesem Erlebnis lädt die Universität ab heute Mitglieder und Angehörige der Universität, die Bürgerinnen und Bürger Jenas und Besucher in Jena sehr herzlich ein. Und wir können Ihnen garantieren: Sie werden Schätze finden, und anders als in den einschlägigen Filmen haben wir die Heckenschützen durch ein Buffet ersetzt.

Was mich persönlich an der Ausstellung fasziniert, ist die Tatsache, dass sie universitäre Forschung in einer relativ großen Breite darstellt - 230 Objekte aus 21 Spezialsammlungen - und damit nicht nur Goethes Wort von der "Stapelstadt des Wissens" visualisiert, sondern zeigt, dass eine Universität einen höchst vielfältigen Wissenskosmos in sich birgt.

Die Sammlungen, deren Prunkstücke diese Ausstellung zeigt, sind keineswegs eifersüchtig gehütete Schätze, die in den Katakomben der Universität gegen raubsüchtige Zeitgenossen geschützt werden, sondern es handelt sich um Forschungsinstrumente, die z.T. in erheblichem Umfang internationale Gäste immer wieder nach Jena führen. Mit der Vorbereitung dieser Ausstellung und insbesondere auch im Zusammenhang der "Stadt der Wissenschaft 2008" und in Kooperation mit der Stadt hat die Universität damit begonnen, die Sammlungen künftig unter Zuhilfenahme moderner Technologien auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Erste Weichen hierfür sind gestellt, und ich bin zuversichtlich, von der heute zu eröffnenden Ausstellung ein nachhaltiger Impuls für ein modernes wissenschaftliches Sammlungs- und Ausstellungskonzept Jenas ausgeht.

Heute dankt die Universität all denjenigen sehr herzlich, die an der Konzeption und Realisierung dieser Ausstellung mitgewirkt haben. Vor allem gilt unser Dank den Kollegen Walther, Fischer und Leppin. Die Umsetzung wäre ohne die phantasievolle und tatkräftige Hilfe und das beispielhafte Engagement von Herrn Vent nicht möglich gewesen, auch ihm und ebenso Frau Vent ein herzlicher Dank. Und schließlich ist den Sponsoren zu danken, allen voran SCHOTT, die mit großzügigen Sachspenden diese Ausstellung ermöglicht haben.

Ihnen allen einen herzlichen Dank und der Wunsch, dass zahlreiche Besucher die Mühen lohnen, und Ihnen, den Besuchern, eine entdeckungsreiche Schatzsuche.

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Begrüßung anlässlich der Eröffnung der Ausstellung
"Universitäres Leben im Collegium Jenense von 1548 bis heute"
am 27. Januar 2008

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

lieber Albrecht Schröter,

sehr geehrte Frau Dr. Lukin,

meine Damen und Herren Abgeordneten,

lieber Herr Kollege Walther,

liebe Mitglieder und Angehörige der Universität,

liebe Jenenser und Jenaer,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

"ME AVSPICE COEPIT DOCERE GENA" - "auf meine Veranlassung und unter meinem Schutz hat Jena zu lehren begonnen" - Diese Umschrift auf dem Siegel der Universität erinnert bis auf den heutigen Tag jeden, der eine Urkunde oder einen Brief der Friedrich-Schiller-Universität erhält, an die Gründung unserer Alma Mater, dessen 450. Wiederkehr wir in diesem Jahr feiern. Und wo in Jena wäre ein geeigneterer Platz, um die Jubiläumsfeierlichkeiten zu eröffnen, als hier im Collegium Jenense, der Keimzelle unserer Universität, einem in fünf Jahrhunderten kompliziertester Baugeschichte entstandenen Platz, der vom noch kurfürstlichen Wappen des Gründers geziert ist, der als einer der charmantesten Plätze Jenas zum Jubiläum stilvoll renoviert wurde, der von Gebäuden umschlossen ist, in denen hochkarätige Forschung mit modernsten Ausstattungen betrieben wird, von Gebäuden überdies, in denen die Beratungen des demokratischen Neubeginns der Universität 1989 und 1990 stattfanden? Hier, in diesem Collegienhof und heute, am 27. Januar 2008, kehrt die Universität an ihre Ursprünge zurück. Und zu dieser Rückkehr anlässlich der Eröffnung der Dauerausstellung "Universitäres Leben im Collegium Jenense von 1548 bis heute" darf ich Sie alle sehr herzlich begrüßen und willkommen heißen.

"Coepit Docere Gena" - Universitäres Leben im Collegium Jenense - Die Universitt kehrt an ihre Ursprünge zurück - ich erlaube mir, alle Datierungsfragen zu übergehen und diese drei Überschriften über dem Jubiläumsauftakt grundsätzlich zu nehmen und einen Augenblick über das "principium", die "arche", die Urgründe der Lehre an der Salana nachzudenken. In dieser Sicht sind heute drei Dinge zu sagen:

1. Wir feiern in diesem Jahr den Lebensbeginn unserer Universität. Das Docere, das Lehren, und mehr noch: "bona studia", gute Studien, wurden unserer Universität vom Gründer und vom ersten Rektor als Lebensmaxime mit auf den Weg gegeben, und es war von Anfang an eine Lebensmaxime, die auf die universitas gerichtet war.

Mit dieser Maxime der universitas war der Salana aufgegeben, die beiden Dimensionen der universitas literarum, also die gesamte Breite wissenschaftlich zu erwerbenden und zu tradierenden Wissens hier und der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden dort in Jena eine dritte Dimension hinzuzufügen, die man als "akademisches Leben" bezeichnen kann. Beides ist wichtig: Akademisch solle dieses Leben sein, d.h. den Regeln, Riten, Maximen und Normen folgen, welche die vielleicht europäischste aller europäischen Erfindungen in Kontinuität zur Antike seit dem 12. Jahrhundert entwickelt hatte: eben die Universität. Aber auch Leben solle es sein, Leben, wie Menschen es eben leben: an einer Universität wird gelernt, gepaukt in des Wortes doppelter Bedeutung, diskutiert, gestritten, gelesen, geschrieben und gefeiert, gegessen, getrunken, verdaut in allen Kulturformen vom Fest-Dinner bis zum fast food, an einer Universität gibt es Konflikte und Verbrüderungen, Feindschaften und Freundschaften, Empfänge und Empfängnisse - und alles selbstredend auf höchstem, auf akademischem Niveau. Was heißt das, auf akademischem Niveau? Es heißt zweierlei: erstens heißt es, dass all diese Verrichtungen und viele andere mehr geistvoll zur Gestalt erhoben werden - und man lese unter dieser Maxime einmal z. B.das Akrützel! -, und es heißt zweitens: dass jede Lebensverrichtung irgendwie einem übergeordneten Ziel unterworfen wird und sich darin als akademische ausweist: dem Examen, dem guten Diplom, der Materialsammlung und dem Erkenntnisgewinn für die Dissertation, dem Wissensfortschritt, der Wahrheit - der Zielkosmos des Akademischen ist ebenso reich wie das Leben selbst. Einen Einblick in diesen Kosmos zu geben - das ist das erste Ziel der Ausstellung, die wir heute eröffnen.

2. Ein zweiter Gedanke: "Coepit docere", damit ist auch ein Prinzip benannt, das in der Tat das akademische Leben auszeichnet und auf das Akademiker demgemäss nicht selten auch, durchaus mit Stolz, pochen: das Prinzip der Freiheit des Lehrens und Lernens. Meinetwegen trotz Bologna und trotz Exzellenzinitiative feiern wir in diesem Jahr 2008 auch diesen ebenso einfachen wie klaren Satz des Grundgesetzes: "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei". Und wir feiern ihn deswegen, weil es das mit Abstand wertvollste Gut ist, dessen Verwaltung uns seit 450 Jahren aufgegeben ist, ein Gut, das die Universität aber in ihrer langen Geschichte so oft verloren hat oder das ihr vorenthalten wurde. Ich möchte heute daran erinnern, dass es dieses Gut der Freiheit und nichts anderes war, das bei Fichte und Humboldt und das genauso bei den mutigen Protagonisten der Wende 1989 und 1990, bei den Professoren Jorke, Machnik, Meinhold, Wechsung und Zwiener, um nur wenige zu nennen, im Vordergrund stand und das die Universität Jena mindestens zweimal - um 1800 und um 1990 - zu einem Modell für Deutschland hat werden lassen. Auch mit der so aufregenden Zeit zwischen dem Zusammentritt der ADEH und der Wahl Ernst Schmutzers zum 314. Rektor kehrte die Universität zu diesem normativen Ursprung der Freiheit der Wissenschaft zurück. Hannah Arendt hat in einer sehr tiefsinnigen Deutung die Natalität, das immer wieder neue Beginnen des Lebens, als Urbild der Freiheit ausgemalt. Und genau dieses Urbild haben 450 Jahrgänge von Studienanfängern immer wieder neu nach Jena gebracht. Das Bewusstsein dieser Freiheit und sein Lebensdrang in jeder neuen Studentengeneration machen die Dynamik, Innovationsfreudigkeit, Aufbruchstimmung und Lebenskraft Jenas aus. Und das ist es, was wir niemals wieder verlieren dürfen daran zu erinnern, ist das zweite Ziel der Ausstellung, die wir heute am Beginn unseres Jubiläumsjahres eröffnen und die mit gutem Grund eine Dauerausstellung sein soll.

3. Der dritte Gedanke: Mit seiner Universität hat der Hanfried ein Schiff in die Saale gelassen, das Untiefen und Stromschnellen zu durchfahren hatte und - Gott sei Dank - gut durchfahren hat. Ein Schiff freilich auch, das mindestens zweimal, zu Goethes und zu Abbes Zeiten unter vollen Segeln in der Windjammerparade der europäischen Universitäten vorne mitfuhr. Ein Schiff mit anderen Worten, dessen 450 Jahre altes Logbuch uns anspornende Verpflichtung sein muss. Wie präsentiert es sich heute? Jubiläumsgemäß ist mancher Anstrich neu, und unsere Salana ist über die Toppen geflaggt. Darunter aber ist der alte Kahn nicht nur generalüberholt, sondern mit stabilen Masten, neuester Technik, einem immer mehr auf Touren kommenden Antrieb und einer gescheiten Navigationsanlage für die nächsten 50 Stromkilometer bestens gerüstet. Sicher, die eine oder andere Planke könnte noch ausgebessert werden, in der Takelage hängen einige Seile noch schlaff und noch sind nicht alle Segel gesetzt. Aber sind wir heute mal mutig: Der Kurs stimmt, das Signal "volle Fahrt voraus" ist im Maschinenraum angekommen, die Stimmung der Mannschaft ist gut, und wenn uns nicht eine Sandbank in die Quere kommt, was sollte uns davon abhalten, zwischen Stromkilometer 450 und 500 eine neue, eine dritte Blüte der Universität anzusteuern? Schreiben wir doch den Chronisten des Jahres 2058 als Motto der neueren Zeit unser, unser aller Motto "noviter coepit docere Gena" in den Logbucheintrag des diesjährigen Jubiläums. Wenn die Ausstellung uns dazu Mut macht, hat sie einen dritten Zweck gut erfüllt.

Meine Damen und Herren, es ist Zeit Dank zu sagen, Dank zuerst und vor allem an diejenigen, die diese Ausstellung konzipiert und realisiert haben: dem spiritus rector Helmuth Walther und seinen Kollegen Fischer und Leppin sowie den Mitarbeitern von Herrn Walther, Frau Köhler und Frau Lovke, für die Konzeption, Herrn Venth und Frau Siebe für die phantasiereiche und umsichtige Realisierung, und all den Sponsoren, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben: Herrn Beyer und der STRABAG, auch dem UKJ für die Renovierungsarbeiten im Kollegienhof, Schott Jena für Glas und Glaskompetenz, dem Universitätsarchiv unter Joachim Bauer, allen Restauratoren der Unibibliothek für die Bereitstellung von Dokumenten, Herrn Hätscher als Leiter aller Umbauten und Herrn Dr. Hinz für die Regelung der Finanzen.

Ich wünsche allen Besuchern, der Stadt Jena und der Universität, dass diese Ausstellung möglichst vielen Jenensern, Jenaern und Besuchern Jenas etwas von dem akademischen Geist vermittelt, der diese Universität und diese Stadt so besonders macht.

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Begrüßung zum Symposium "Lichtgedanken"
am 30. Januar 2008

 

Hohe Festversammlung,

zum Jubiläumssymposion "Lichtgedanken" und damit zum ersten Höhepunkt der Feierlichkeiten 450 Jahre Universität Jena darf ich Sie alle sehr herzlich an der Friedrich-Schiller-Universität begrüßen. Es ist eine große Ehre für die Universität, dass sich eine so illustre Festgemeinde hier eingefunden hat, um an diesem Jubiläum und an diesem Symposion teilzuhaben.

"Lichtgedanken" - so lautet mit Schiller und im Blick auf die traditionellen Stärken unserer Universität, auf Optik und Photonik ebenso wie auf Reformation, Aufklärung und Klassik das Thema des Jubiläumssymposions und das Motto des Jubiläums. Lichtgedanken, das ist eine glückliche und durchaus universitäre Wortverbindung, denn man wird kaum etwas finden, das Gedanken in einem so elementaren Sinn angeregt hat wie das Licht. Das "fiat lux" ist nach dem ersten Schöpfungsbericht der Bibel das erste Wort Gottes überhaupt, und bis zum letzten Kapitel der Apokalypse ist die Bibel durchzogen von Licht-Gedanken, die bezeugen, dass das Wissen um die lebensspendende, orientierende, Erkenntnis inspirierende Kraft des Lichtes zum ältesten Wissensbestand der Menschheit gehört. Erinnert man sich zudem, dass es Lichtforscher u.a. aus Jena waren, die 2007 mit dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet wurden, dann wird man jedenfalls hier in Jena das Licht als das Alpha und Omega der Wissenschaft bezeichnen dürfen.

Und in gewisser Weise verstehe ich so auch Schiller, dem die Licht-Verliebtheit der Aufklärer gewiss vertraut war, wenn er in seinem Gedicht "Die Gunst des Augenblicks" schreibt:

Von dem allerersten Werden

der unendlichen Natur

Alles Göttliche auf Erden

Ist ein Lichtgedanke nur.

Ist das nicht harte Kost für einen Wissenschaftler? Ich meine damit weniger die Anspielung Schillers auf den Schöpfungsbericht, an der sich die leidige Kreationismusdebatte ruhig einmal abarbeiten könnte, sondern ich meine die Reduktion gerade der besten Gedanken auf den Geistesblitz, der ebenso schnell kommt wie er vergeht und der - welcher schreibende Wissenschaftler wüsste das nicht - uns bereits so unendlich fern und entglitten scheint, wenn wir den Kampf mit dem Satzbau gewonnen und den Aufsatz oder das Buchmanuskript fertiggestellt haben. Aber gerade darin hat Schiller das Drama und das Glück der Wissenschaft zugleich eingefangen: Er weiß: es gibt kein Licht auf der Erde, ihm gegenüber ist der Mensch und Wissenschaftler passiv. Und in der Tat: Einfälle, Gedankenblitze, Lichtgedanken sind nicht verfügbar, nicht planbar, sie kommen, wann sie wollen, aber keineswegs immer, wenn wir es wollen. Aber sie nutzen gar nichts, wenn man nicht gut vorbereitet ist, das blitzartig erleuchtete Szenario treffsicher erkennt und in gründlicher Nachbearbeitung für die wissenschaftliche Kommunikation aufbereitet. Und wie oft scheitern diese Prozesse - das Drama. Aber da ist auch das Glück: Kennen wir nicht auch alle das Kreativität freisetzende Glücksgefühl eines gut gelungenen Seminars? Oder einer Entdeckung? Oder jener "Horizontverschmelzung" im wissenschaftlichen Diskurs, die man das Verstehen oder das "Ereignis der Wahrheit" genannt hat?

Lichtgedanken - dem Drama und Glück des Wissenschaftlers und der Institution der Wissenschaft schlechthin, der Universität, ist dieses Jubiläumssymposion gewidmet, und ich wnsche Ihnen allen das Erlebnis, dass Ihnen bei diesem Symposion möglichst oft "ein Licht aufgeht".

Aber nicht Lichtgedanken zu äußern, sondern Lichtgestalten zu begrüßen ist meine Aufgabe bei dieser Eröffnung. Ich begrüße die Präsidentin des Thüringer Landtages, Frau Kollegin Schipanski, sehr herzlich unter uns. Ihr waches und in vielen Funktionen geschultes Interesse für die Wissenschaft und gerade auch für ethische Fragen hat uns in Jena immer wieder ermutigt. Dafür und für Ihre Anwesenheit heute herzlichen Dank. Ich begrüße die Abgeordneten des Thüringer Landtages, an ihrer Spitze die Fraktionsvorsitzende der CDU, Frau Lieberknecht, eine wirkliche Freundin der Universität und nicht selten verständige Nothelferin, wenn es um politische Unterstützung geht, sowie die Abgeordneten Kaschuba und Seela.

Von der Regierungsbank freue ich mich, Sie, lieber Herr Minister Goebel, wieder einmal hier in Jena begrüßen zu dürfen. Ich danke Ihnen zunächst sehr herzlich, dass Sie mit einem Grußwort zu dieser Auftaktveranstaltung beitragen. Sie haben mit dem neuen Thüringer Hochschulgesetz Ernst gemacht mit der Autonomie und sind damit einer Einsicht des Ehrenbürgers dieser Universität, Hans-Georg Gadamers gefolgt, nach der "das Vertrauen zu den Vertrauenswürdigen wirksamer ist als jede Finanzkontrolle". Für diesen Mut Ihnen, dem Staatssekretär Herrn Kollegen Bauer-Wabnegg und dem Leiter der Hochschulabteilung Dr. Eberbach, die ich ebenfalls herzlich begrüße, an dieser Stelle Anerkennung und Dank. Wenn wir es nun auch noch gemeinsam schaffen, dieser Einsicht gegen Alltagsattacken des Finanzministeriums zum Siege zu verhelfen, wird die Vertrauensrendite in lichte Höhen steigen. Ein herzlicher Gruß geht auch an die Staatssekretäre Baldus, Haußner und Richwien sowie alle anderen Vertreter der Landesregierung, die von Erfurt dem Licht entgegen gereist sind, um hier und heute dabei zu sein. Und um die Gewaltenteilung perfekt zu machen, begrüße ich den Präsidenten des OLG Jena, Herrn Stefan Kaufmann, sehr herzlich an der Universität.

Jena ist Stadt der Wissenschaft 2008, und deshalb begrüße ich alle Kooperationspartner der Stadt und Stadtverwaltung besonders herzlich, an ihrer Spitze den Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter und die Vorsitzende des Stadtrates, Frau Dr. Lukin. Dass der Alt-OB Dr. Peter Röhlinger anwesend ist, ist für die Universität eine besondere Ehre und Freude, Ihnen, Herr Röhlinger, ein herzliches Willkommen.

Jena wäre nicht Stadt der Wissenschaft 2008, wenn nicht eine exzellente Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft die Innovationsdynamik dieser Stadt ausmachte. Ich begrüße deshalb alle Vertreter der Wirtschaft sehr herzlich und freue mich außerordentlich, dass ich bei vielen, noch nicht bei allen, ein herzliches Dankeschön für Spenden und Sponsoring zur Finanzierung des Jubiläums in den Willkommensgruß einschließen kann. Ich begrüße sehr herzlich den Vorstand von Carl Zeiss Oberkochen, Herrn Dr. Kurz, Herrn Dr. Kaschke und Herrn Dr. Gerlinger und mit Ihnen das vertraute Jenaer Trio der Herren Popp, Krauss und Simon. Zeiss hat seine Verbundenheit mit der Universität dadurch zum Ausdruck gebracht, dass der diesjährige Jahresempfang in der Universität im Anschluss an diese Eröffnung stattfindet. Dafür bereits jetzt unseren herzlichen Dank. Von der Thüringer Aufbaubank begrüße ich Herrn Wierlacher in Jena. Stellvertretend für die zahlreichen Jenaer Wirtschafts- und Bankenvertreter grüße ich die Herren Krekel, Leiteritz und Fischer, Herrn Beyer sowie die Herren Führböck und Noack. Ihnen allen herzlichen Dank für die gute Kooperation der Vergangenheit, die für die nächsten 50 Jahre viel erwarten lässt.

Ich komme zu den Lichtgestalten der Wissenschaft und begrüße sehr herzlich erstmals in seiner Amtszeit, wenn ich es recht sehe, an der Universität Jena den Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft Herrn Kollegen Kleiner. In gewisser Weise sind Sie der Lichtmeister der deutschen Wissenschaft, jedenfalls sitzen Sie an den Lichtschaltern. Ich darf Ihnen nicht nur dafür danken, lieber Herr Kleiner, dass Sie den Festvortrag bei dieser Eröffnung übernommen haben, sondern auch dafür, dass Sie sich mehrfach und in unterschiedlichen Kontexten für die Sache der Universitäten eingesetzt haben. Ich habe auch mehrfach dankbar registriert, dass Sie mich - stets mit den Ihnen eigenen leuchtenden Augen - als Repräsentant eines Mitgliedes der DFG angesprochen haben - selbstverständlich ist das nicht. Wir freuen uns auf Ihren Vortrag und danken Ihnen, dass Sie hier sind.

Aus Thüringen begrüße ich den Rektor der Technischen Universität Ilmenau, Magnifizenz Scharff, und die Rektorin der FH Jena, Frau Kollegin Beibst. Herzlich willkommen heiße ich auch den Präsidenten der Erfurter Akademie, Herrn Prof. Köhler. Für den Beutenberg grüße ich stellvertretend die Kollegen Boland, Brakhage, Herrlich, Popp und Tünnermann. Aus der Universität selbst grüße ich die Prorektoren, den Medizinischen Vorstand des Universitätsklinikums Herrn Kollegen Höffken, den Alt- und Neukanzler, das Mitglied des Universitätsrates Herrn Dr. Schuchardt, den Altrektor Herrn Machnik, sowie alle Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiter und Studierenden und unsere Fundraiser, Herrn Raithel und Herrn Guttmacher.

Es bleiben mir einige Worte des Dankes. Ich danke zunächst und vor allem allen, die durch Vortrag und Diskussionsbeitrag zu dem Symposion beitragen. Dessen spiritus rector, Herrn Kollegen Manger, danke ich besonders herzlich für sein unermüdliches Engagement und die höchst anregende Kooperation über ein dreiviertel Jahr hinweg. Ein besonderer Dank geht an den Hauptsponsor des Symposions, die Stadtwerke Jena, ohne die in Jena nur die Glühwürmchen leuchteten. Last, but not least geht ein besonders herzlicher Dank an das Jubiläumsteam, allen voran an Frau Dr. Siebe, aber auch an Frau Hillesheim, Mehlhorn und Schorch, ohne die wir das Jubiläum auf 2058 hätten verschieben müssen. Ich denke, als äußerliches Dankeschön wird der Rektor mal wieder kochen dürfen.

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