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Lichtgedanken

 

Wenn die Universität Jena ihr Jubiläum mit einem Wort Friedrich Schillers - den "Lichtgedanken" - überschreibt, so ist dies eine Verbeugung vor ihrem wohl bekanntesten Mitglied im Lehrkörper und ihrem Namenspatron. 

Doch "Lichtgedanken" sind mehr: Sie symbolisieren all jene Ideen, die eine Universität tragen und ihre Fakultäten transdisziplinär miteinander verbinden. Denn "Lichtgedanken" sind Geistesblitze und -leistungen, deren innovatives Potential Gegenwart und Zukunft einer Universität prägen. Auch jene historisch gewachsenen Charakteristika, die eine Universität unverwechselbar machen, lassen sich als "Lichtgedanken", als "Gunst des Augenblicks" verstehen.

 

 

 Die Gunst des Augenblicks

 

Friedrich Schiller, 1803

Und so finden wir uns wieder
In dem heitern bunten Reihn,
Und es soll der Kranz der Lieder
Frisch und grün geflochten sein.

Aber wem der Götter bringen
Wir des Liedes ersten Zoll?
Ihn vor allen laßt uns singen,
Der die Freude schaffen soll.

Denn was frommt es, daß mit Leben
Ceres den Altar geschmückt?
Daß den Purpursaft der Reben
Bacchus in die Schale drückt?

Zückt vom Himmel nicht der Funken,
Der den Herd in Flammen setzt,
Ist der Geist nicht feuertrunken,
Und das Herz bleibt unergötzt.

Aus den Wolken muß es fallen,
Aus der Götter Schoß, das Glück,
Und der mächtigste von allen
Herrschern ist der Augenblick.

Von dem allerersten Werden
Der unendlichen Natur
Alles Göttliche auf Erden
Ist ein Lichtgedanke nur.

Langsam in dem Lauf der Horen
Füget sich der Stein zum Stein,
Schnell, wie es der Geist geboren,
Will das Werk empfunden sein.

Wie im hellen Sonnenblicke
Sich ein Farbenteppich webt,
Wie auf ihrer bunten Brücke
Iris durch den Himmel schwebt,

So ist jede schöne Gabe
Flüchtig wie des Blitzes Schein;
Schnell in ihrem düstern Grabe
Schließt die Nacht sie wieder ein.